Exklusivinterview mit FCM-Kapitän Aaron Stimpfle zum Stand seiner Verletzung

Hi Aaron, du hast dich im letzten Spiel vor der Winterpause am rechten Knie verletzt. Wie geht es dir und dem Knie heute?

Mir geht es soweit gut. Der Heilungsprozess des Knies läuft nach Plan. Mittlerweile kann ich wieder schmerzfrei gehen sowie leichte sportliche Betätigungen wie Muskelaufbauübungen und kleine Radtouren absolvieren.

Wie hast du die Situation in Riedlingen erlebt? Was hast du gedacht und war dir direkt klar, dass es sich um eine längerfristige Verletzung handeln könnte? Ärgerst du dich, dass es gerade im letzten Spiel noch passieren musste?

Die Verletzung ist in einer harmlosen Situation entstanden. Im Anschluss an einen Zweikampf mit dem gegnerischen Torhüter ist mir beim nachfolgenden Schritt der tiefe, feuchte Rasen unter meinem rechten Bein weggeschmiert. In Folge dessen ist mein rechtes Knie ohne Fremdeinwirkung nach außen weggeknickt. Im ersten Moment hatte ich starke Schmerzen und mir wurde schnell klar, dass das Spiel für mich beendet ist. Eine Bänderdehnung, maximal eine Beschädigung des Meniskus waren meine ersten Gedanken. An einen Kreuzbandriss dachte ich nicht. Anfangs habe ich mich natürlich geärgert, dass die Verletzung noch im letzten Spiel passieren musste. Vor allem, da im Anschluss des Spiels ein geselliger Abend mit der Mannschaft geplant war, den ich dann leider verpasst habe. Aus heutiger Sicht ist die Verletzung halb so wild, da ich aufgrund der momentanen Situation noch kein einziges Spiel verpasst habe.

Die erste Untersuchung im Krankenhaus ergab zunächst nur eine Meniskusverletzung. Nach der MRT-Untersuchung stand dann fest, dass auch das Kreuzband betroffen war. Wie hast du auf die Diagnose reagiert?

Natürlich war ich anfangs über die Diagnose enttäuscht. Aus den zuerst angenommenen drei Monaten Pause wurden auf einen Schlag bis zu 12 Monate. Das Ärgerliche dabei war, dass sowohl das Krankenhaus als auch mein behandelnder Orthopäde den Kreuzbandriss nicht eindeutig bestätigen konnten und dass dadurch vom Zeitpunkt der Verletzung bis zur endgültigen Diagnose durch den Spezialisten in Neu-Ulm bereits 6 Wochen vergangen waren.  

Du hast dich für einen operativen Eingriff entschieden und wurdest am 24. Januar in Neu-Ulm operiert. Wie kam es dazu und wie ist die Operation verlaufen?

Der Spezialist in Neu-Ulm teilte mir mit, dass ich bei einer konservativen Behandlung zukünftig auf jegliche Ballsport-arten verzichten müsste. Somit war mir sofort bewusst, dass ich mich operieren lassen möchte. Ein Leben ohne aktiven Fußball kann ich mir momentan noch nicht vorstellen. Ab diesem Zeitpunkt ging es dann bergauf. Der OP-Termin wurde relativ zeitnah festgelegt und auch die OP an sich verlief komplikationsfrei.

Direkt nach der OP warst du sehr eingeschränkt. Wie hast du die Zeit danach erlebt? Was war das Nervigste an der Situation?

Die Operation wurde ambulant abgehalten. Somit war ich noch am gleichen Tag wieder zuhause. Die ersten vier Tage waren dabei die schlimmsten, da ich während dieser Zeit eine unflexible Beinschiene tragen musste. Am fünften Tag bekam ich eine mobilere Beinorthese gestellt sowie eine motorisierte Beinschiene, die die Beweglichkeit des Knies stark förderten. Ab diesem Zeitpunkt wurde von Tag zu Tag die Beweglichkeit besser und die Schmerzen leichter. Auch die ersten Termine beim Physiotherapeuten starteten zu diesem Zeitpunkt. Das Nervigste an den ersten Wochen war eindeutig die fehlende Mobilität durch die Krücken. Hierbei war ich sehr stark auf meine Freundin, meine Familie und meine Mitbewohner angewiesen. Diese waren jedoch alle sehr hilfsbereit, wofür ich ihnen sehr dankbar bin.

Inzwischen sind 3 Monate seit der OP vergangen. Wie weit bist du inzwischen mit deiner Reha? Was kannst du schon machen und was geht (noch) nicht so gut? Woran arbeitest du gerade und was sind die nächsten Schritte?

Richtig, drei Monate sind bereits vergangen und ich kann momentan wieder schmerzfrei gehen sowie leicht sportlich tätig sein. Während bei der Reha in den ersten acht Wochen die Beweglichkeit im Vordergrund stand haben wir uns nun auf den Aufbau der Oberschenkelmuskulatur und die Stabilisation des Knies fokussiert. Hierbei werden die Übungen immer anstrengender, aber auch spannender. Besonders die Erlaubnis zum Radfahren bereitet mir große Freude. Dabei konnte ich die warmen Tage der letzten Wochen gut nutzen. Als nächste Schritte sind weiterhin Stabilisations- und Kraftübungen geplant und der Start des Lauftrainings (in ca. zwei Wochen). Bis sechs Monaten nach der OP sind jegliche Ballsportarten untersagt, wodurch sich an der Reha nicht mehr viel ändern wird. Ab diesem Zeitpunkt können die nächsten Schritte geplant werden. Jedoch hat mir mein Arzt wärmstens empfohlen ein komplettes Jahr auf Fußball zu verzichten.

Die Corona-Einschränkungen betreffen auch dich in der Arbeit mit deinem Physiotherapeuten. Wie merkst du diese Auswirkungen und wie gehst du damit um?

In den ersten drei Wochen der Ausgangsbeschränkung wurden die Physio-Termine komplett abgesagt. Somit war ich während dieser Zeit auf mich allein gestellt. Mir wurden unterschiedliche Übungen gezeigt, die ich zuhause machen kann. Zusätzlich war ich sehr viel mit dem Rad unterwegs und konnte somit ausgiebig trainieren. Mittlerweile habe ich die Arbeit mit dem Physiotherapeuten wieder aufgenommen, sodass wir gezielt an meinen Schwächen arbeiten können.

Was sind deine nächsten Ziele auf deinem Weg zurück auf den Platz und hast du schon ein grobes Ziel oder einen Wunsch, wann du wieder aktiv dabei sein möchtest?

Nun, das ist schwer zu sagen. Momentan bin ich mittendrin in der Reha und weiß nicht wie das Knie in einem halben Jahr aussieht. Ich werde nun Schritt für Schritt mein Knie stärker belasten und schauen was drin ist. Mein Plan ist, dass ich in einem halben Jahr mit lockeren Übungen ins Training einsteigen kann. Dort möchte ich dann die Belastung kontrolliert steigern. Einen Einsatz in einem Pflichtspiel im Jahr 2020 kann ich mir derzeit nicht vorstellen, weil ich vermeiden möchte, dass ich das Kreuzband eventuell erneut beschädige, wenn ich zu früh mit dem Spielbetrieb beginne.